Im Kampf gegen sexualisierte Gewalt können Schulen eine entscheidende Rolle spielen. Dass sie dabei Unterstützung brauchen, ist selbstverständlich. Im Kreis Stormarn ist jetzt die Initiative ergriffen worden.

Statistisch gesehen sind in jeder Schulklasse ein bis zwei Kinder von sexualisierten Übergriffen betroffen. Und obwohl die Täter vorwiegend aus dem nächsten Umfeld der Kinder kommen, wie zum Beispiel aus der Familie, dem Sportverein oder auch der Schule, werden viele Fälle nicht oder viel zu spät erkannt. Damit sich das ändert, müssen die Wegbegleiter*innen von Kindern und Jugendlichen für die Anzeichen von Machtmissbrauch und Gewalt sensibilisiert sein und wissen, wie sie kompetent helfen können.

Schleswig-Holstein hat sich im März 2017 der Bundesinitiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ angeschlossen. Sie ruft alle Schulen dazu auf, ein eigenes Gewaltschutzkonzept zu entwickeln und dies im Leitbild der Schule oder im Schulprogramm zu verankern. Seitdem sind alle Schulen über Gewaltschutz informiert worden. Ein erster Schritt ist getan. Nun geht es darum, Gewaltschutzkonzepte in den Schulen zu etablieren. Hierzu wird die Situation der Schule mit allen Beteiligten, von der Hausmeisterin bis zur Rektorin, von den Eltern bis zu den Schüler*innen, betrachtet und die Bausteine für Gewaltschutz entsprechend vereinbart. Vereinzelt haben Schulen in Schleswig-Holstein die Bedeutung eines solchen Konzepts bereits erkannt und sich gemeinsam mit Fachkräften auf den Weg gemacht.

Im Landkreis Stormarn gibt es jetzt erstmals ein kreisweites Projekt „Gemeinsam gegen sexuelle Gewalt im Kreis Stormarn – Schutzkonzepte an Schulen“, das von der AG Schutzkonzepte initiiert und mit Landesmitteln angeschoben wurde. Im Boot sind die Facheinrichtungen gegen Gewalt und alle relevanten Fachdienste der Kreisverwaltung. Landrat Dr. Henning Görtz ist als Schirmherr des Projekts aktiv und sagte hierzu: „Mit diesem Projekt möchten wir einmal mehr deutlich machen: Gewaltschutz ist Voraussetzung für gutes Lernen und damit Qualitätsmerkmal für Schulen.“ Ihm ginge es nicht darum, Schulen unter Generalverdacht zu stellen, sondern darum Prävention zu betreiben: „Sexuelle Gewalt darf nicht tabuisiert werden. Je mehr wir öffentlich darüber sprechen, desto eher trauen sich Betroffene, um Hilfe zu bitten. Dazu möchten wir mit unserem Bekenntnis beitragen: Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche haben in unserem Kreis keinen Platz!“

Bei der Auftaktveranstaltung im Schloss Reinbek wurden Schulleitungen, Schulsozialarbeiter*innen und andere Fachkräfte über die Initiative und ihre Ziele informiert. Das Angebot fand großen Anklang. Im Ergebnis waren über 20 Schulen von der Idee überzeugt:  Sie möchten konkret von der AG Schutzkonzepte begleitet werden. Kaum zu schaffen bei dem bisherigen Budget. Daher wird jetzt nach Lösungen gesucht, wie das Projekt ausgeweitet werden kann. Eindeutigen Rückenwind hat das Vorhaben durch die Istanbul-Konvention. Eine gesetzliche Verpflichtung zur Etablierung von Gewaltschutz findet sich dort in Artikel 5, in dem es heißt: Die Vertragsparteien stellen sicher, dass Mädchen und Frauen in Einrichtungen des Staates vor Gewalt geschützt sind (vgl. Art.5). Henning Görtz gab hierzu den Ausblick: „Dass 20 Schulen im Landkreis einsteigen wollen, ist ein großer Erfolg. Die Istanbul-Konvention im Gepäck werden wir uns künftig auch mit dem Bildungsministerium zusammensetzen und weitere Unterstützung verhandeln. Für die Kinder sollte es keinen Unterschied machen, wo sie zur Schule gehen.“

Wir sagen: Gewaltschutz ist Qualitätsmerkmal für Schulen! Super, wie sich der Kreis Stormarn engagiert!

Sind Sie in der Leitung einer Schule oder Schulsozialarbeit tätig? Informieren Sie sich über Gewaltschutzkonzepte: https://www.schule-gegen-sexuelle-gewalt.de Für konkrete Unterstützung bei der Implementierung wenden Sie sich an eine Fachstelle in Ihrer Nähe.

Wollen Sie ein ähnliches Kooperationsprojekt starten? Wir unterstützen Sie gerne: info@lfsh.de