Werbung prägt!  Bewusst und unbewusst lernen wir auch von Plakatwänden und aus Werbespots, wie Frauen und Männer sein sollten. Zwei Städte haben sich nun entschlossen, sexistischer Werbung keine Fläche mehr zu bieten.

Tag für Tag begegnen uns in der Werbung sexualisierte Darstellungen von Frauen, die keinen Bezug zum beworbenen Produkt haben.  Diese Motive sind diskriminierend - nicht etwa deshalb, weil sie nackte Haut zeigen, sondern weil sie Frauenkörper als Konsumgüter darstellen. Der Unterschied zwischen sexy und sexistisch wird in diesem Beispiel der NGO Pinkstinks Germany e.V. schnell deutlich:

In einer Unterwäschewerbung hat die Darstellung einer Frau im BH einen Bezug zum beworbenen Produkt und ist angemessen. Anders verhält es sich, wenn mit dem gleichen Bild der Sessel beworben wird. Jetzt wird die Frau zum dekorativen Objekt und die Werbung wird als sexistisch bewertet.

Auch Stereotype von Frauen und Männern finden sich noch zu oft in der Werbung. Sie zeigen Frauen vornehmlich in fürsorgenden, hauswirtschaftenden, mütterlichen, zurückhaltenden bis untergeordneten Rollen gegenüber gezeigten Männern. Diese Vorstellung ist einseitig und diskriminierend, da sie als vorherrschend in den Medien wahrgenommen wird. Wenn wir diese Bilder akzeptieren, suggerieren wir, Frauen seien weniger kompetent, weniger intelligent, weniger selbstständig, weniger selbstbewusst, weniger frei und damit weniger wert. Das ist der Nährboden für Gewalt.

Die Istanbul-Konvention betont diesen Zusammenhang zwischen geschlechtsspezifischer Diskriminierung und Gewalt.  Mit ihrer Ratifizierung hat Deutschland sich verpflichtet, stereotype Rollenbilder zu bekämpfen, die Frauen als Männern unterlegen darstellen und Gewalt gegen sie als hinnehmbar erscheinen lassen.

Als erste Stadt in Schleswig-Holstein hat Flensburg im Februar 2019 ein Verbot diskriminierender Werbung beschlossen. Öffentliche Flächen, Gebäude und Fahrzeuge der Stadt sollen keinen Raum mehr für sexistische Darstellungen bieten.  Der Beschluss orientiert sich in der Bewertung sexistischer Werbung an den Kriterien des Deutschen Werberats. Demnach handelt es sich um sexistische Darstellungen, wenn

1.       Geschlechtsbezogene Über-/Unterordnungsverhältnisse dargestellt werden.

2.       Eigenschaften, Fähigkeiten und soziale Rollen in Beruf und Familie ausschließlich aufgrund von Geschlecht zugeordnet werden.

3.       Sexuelle Anziehung als ausschließlicher Wert von Frauen dargestellt wird.

4.       Sexuelle Verfügbarkeit suggeriert wird.

Eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern des Gleichstellungsausschusses, Gleichstellungsbüros und Arbeitskreises Vielfalt wird gemeldete Werbung nun nach diesen Kriterien prüfen. Die Oberbürgermeisterin Simone Lange sagte hierzu: „Das Votum der Ratsversammlung ist eindeutig: Ab jetzt macht Flensburg den Unterschied zwischen sexy und sexistisch. Die Verwaltung geht mit gutem Beispiel voran und ich bin mir sicher, dass auch die privaten Anbieter nach und nach mitziehen.“

In Lübeck führte eine Initiative gegen sexistische Werbung auf öffentlichen Flächen zu dem Ergebnis, dass sich der Hauptausschuss der Bürgerschaft gegen diskriminierende Werbung auf städtischen Werbeflächen ausgesprochen hat.  Eventuelle Maßnahmen werden aber weiterhin dem Deutschen Werberat überlassen.

Auch wenn die Diskussionen und Entscheidungen über sexistische Werbung auf öffentlichen Flächen nur einen Bruchteil der Werbung betreffen, haben sie doch eine deutliche Signalwirkung: Im öffentlichen Raum ist kein Platz für Sexismus.

Sind Sie an der Entwicklung von Werbung für Ihr Unternehmen beteiligt oder stellen Sie Werbeflächen zur Verfügung? Orientieren Sie sich an den oben genannten Kriterien des Werberats. Sie möchten sich über die Vorgänge in Flensburg informieren? Details finden Sie hier. Sie möchten sich über die Vorgänge in Lübeck informieren? Details finden Sie hier.